Volksbühne Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz
 

Sehen: No Land's Song

Film von Ayat Najafi. Filmpremiere


Wenn ein Mann die Stimme einer Frau hört, die vielleicht sogar singt, könnte er sexuell stimuliert werden. Eine Frau, die solo singt auf einer Bühne, da kann kein Mann unbeteiligt bleiben, das ist undenkbar. Vielleicht am ehesten noch als Backgroundsängerin eines männlichen Sängers, das würde noch gehen. So sind die Empfehlungen, die die iranische Komponistin Sara Najafi von religiösen Führern und Beamten des Kultusministeriums bekommt, bei denen sie immer wieder vorspricht. Sie streitet, um die Erlaubnis für ein Konzert zu Ehren der berühmten iranischen Sängerin Qamar aus den 1920er Jahren zu bekommen, bei der weibliche Solosängerinnen auftreten und singen sollen. Kurzerhand verpflichtet sie für eine Probeaufnahme einen Sänger, der möglichst hoch singen kann, dessen Mikrofon dann aber so leise eingestellt ist, dass man ihn neben der weiblichen Sängerin sowieso nicht hört.

Solche wunderbaren Szenen und Augenblicke reihen sich im französisch/deutschen Dokumentarfilm NO LAND´S SONG aneinander. Singen ist ein revolutionärer Akt in Teheran. Der Film begleitet die charmante Komponistin Sara Najafi bei ihrem scheinbar aussichtslosen, kafkaesken Anrennen gegen die iranischen Behördenstrukturen. Sara Najafi steckt voller subversiver Energie bei der Durchsetzung ihres Anliegens. Sie verkleidet sich in traditionelle schwarze Umhänge und Schleier, in denen sie Tonbandgeräte versteckt, um im Kultusministerium bei immer neuen Beamten ihr Vorhaben durchzusetzen und ihre absurden Argumentationen aufzuzeichnen, die im Film in Schwarzblenden zu Gehör kommen. Der Filmemacher Ayat Najafi ist ihr Bruder. Er hat sich vorher bereits in seinem Dokumentarfilm „Football Under Cover“ den modernen, fußballbegeisterten Frauen im Iran angenommen. Jetzt begleitet er das Projekt seiner Schwester in einem Film, der voll ist mit wunderbarer, persischer Musik. Und der die kulturelle Gratwanderung in jedem Moment fühlbar macht. Sara ist nicht nur per Skype mit der Welt draußen verbunden, sie reist wiederholt nach Paris, trifft dort Sängerinnen und Musiker, mit denen sie ihr Konzert in Teheran bestreiten will. Die reisen tatsächlich am Ende an, es kommt zu einem wunderbar gefilmten, intensiven musikalischem Austausch, die staatlichen Repressalien gehen aber ungehindert weiter. In diesem Klima zwischen Angst, Restriktion und unbeugsamer Tapferkeit dieser starken Frauen erstaunen auch die hochpolitischen Texte ihrer Lieder. Ihr gemeinsames Konzert steht bis zum letzten Tag auf der Kippe.

Tickets kosten 8,- Euro bzw. 6,- Euro (ermäßigt).

  

Crowdfunding-Kampagne

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